Gute Android-Apps für Mail​box​.org

Ich habe vor eini­gen Wochen die E‑Mail für mei­ne Domain hier von Goog­le (G Suite) umge­zo­gen zu Mail​box​.org aus Ber­lin. Ein durch und durch sym­pa­thi­scher Hos­ter, des­sen Infra­struk­tur zu gro­ßen Tei­len auf der bewähr­ten Soft­ware von Open-Xchan­ge basiert und der mich nicht zuletzt mit sei­nem fle­xi­bel anpass­ba­ren Tarif­mo­dell über­zeugt hat.

Gleich­zei­tig habe ich mich nach alter­na­ti­ven Apps für mein Fair­pho­ne umge­schaut, die gut mit der neu­en Infra­struk­tur zusam­men­spie­len soll­ten. Mail​box​.org hat kei­ne eige­ne Android-App. Der rela­tiv spar­ta­ni­sche Mail-Cli­ent von OX schied für mich auch aus, weil er eben nur Open-Xchan­ge unter­stützt (als Ser­ver für Mail​box​.org muss man dabei übri­gens https://​office​.mail​box​.org ange­ben). Ich habe aber noch ein paar ande­re E‑Mail-Kon­ten, die ich teil­wei­se auch mobil zur Hand haben möch­te.

FairEmail für IMAP

Was E‑Mail angeht, bin ich nach eini­gem Suchen bei Fai­rE­mail von Mar­cel Bok­horst aus den Nie­der­lan­den gelan­det. „Fai­rE­mail ist eine Open-Source-E-Mail-App, die sich auf Pri­vat­sphä­re und Sicher­heit kon­zen­triert“, heißt es in der Selbst­be­schrei­bung der App. „Aus die­sem Grund könn­ten eini­ge Din­ge anders funk­tio­nie­ren, als Sie es gewohnt sind.“

Das stimmt. Zum Bei­spiel for­ma­tiert Fai­rE­mail alle ein­ge­hen­den E‑Mails um, um unsi­che­re Ele­men­te und Tracking-Bil­der zu ent­fer­nen und die Nach­rich­ten leser­li­cher zu machen. Das Öff­nen von Links muss man vor­ab bestä­ti­gen, um Phis­hing zu ver­hin­dert.

Vor allem aber habe ich noch nie einen Mail-Cli­ent gese­hen, bei dem man so vie­le Details der elek­tro­ni­schen Post anpas­sen und ein­stel­len kann. Die Kehr­sei­te die­ser Medail­le: Tech­nisch unbe­darf­te­re Nutzer*innen kön­nen hier schnell über­for­dert sein und leicht Feh­ler machen.

Fai­rE­mail setzt aus­drück­lich auf offe­ne Stan­dards wie IMAP, POP3, SMTP, OpenPGP und S/MIME. Pro­prie­tä­re Pro­to­kol­le wie die von Micro­soft Exchan­ge unter­stützt die App hin­ge­gen nicht. Ein IMAP-Kon­to bei Mail​box​.org lässt sich mit den Stan­dard-Ein­stel­lun­gen pro­blem­los über den Ein­rich­tungs­as­sis­ten­ten kon­fi­gu­rie­ren.

Mar­cel Bok­horst bie­tet für knapp sechs Euro auch eine Pro-Ver­si­on von Fai­rE­mail an. Die habe ich umge­hend gekauft, denn so gute und enga­gier­te unab­hän­gi­ge Ent­wick­ler muss man unter­stüt­zen.

DAVx5 für CalDAV und CardDAV

Obwohl Cal­DAV und Card­DAV die offi­zi­el­len IETF-Stan­dards für den Abgleich von Kalen­der­da­ten und Kon­takt­in­for­ma­tio­nen via Web­DAV sind, beherrscht Android sie noch immer nicht von Haus aus. Wie gut, dass Ricki Hirner und Bern­hard Stock­mann aka (man muss den Duden ja nicht immer ver­ste­hen) bit­fire web engi­nee­ring aus Bad Vös­lau in Öster­reich die fei­ne App DAVx5 pro­gram­mie­ren, um die­se Lücke zu schlie­ßen.

Davx5, vor­mals DAV­Droid, ist ein Open-Source-Pro­jekt unter der GPLv3. Die Ent­wick­ler stel­len ihren Sync-Adap­ter aber auch in kom­mer­zi­el­le App Stores wie den Goog­le Play Store, um Ent­wick­lung und Sup­port zu refi­nan­zie­ren. Die Ver­si­on für Pri­vat­nut­zer kos­tet ein­ma­lig 4,99 Euro. Es gibt dane­ben auch eine Busi­ness-Ver­si­on von DAVx5 für Unter­neh­men, die die Soft­ware über ein MDM ver­tei­len und ver­wal­ten möch­ten.

Für ein Kon­to bei Mail​box​.org muss man „Mit URL und Benut­zer­na­me“ aus­wäh­len und dann als Basis-URL https://​dav​.mail​box​.org ein­ge­ben. DAVx5 inte­griert sich auto­ma­tisch mit dem in Android ein­ge­bau­ten Kon­tak­te- und Kalen­der-Sys­tem und ent­spre­chen­den Third-Par­ty-Apps. Ich per­sön­lich habe mich übri­gens dafür ent­schie­den, die Kalen­der-App von Goog­le wei­ter zu ver­wen­den, weil ich weit und breit kei­ne Alter­na­ti­ve ent­deckt habe, die mir auch nur ansatz­wei­se ähn­lich gut gefällt.

Ein wei­te­rer Vor­teil von DAVx5: ich kann nun auch auf mei­nem Fair­pho­ne auf mein „his­to­risch gewach­se­nes“ iCloud-Kon­to zugrei­fen und dort Kon­tak­te und Ter­mi­ne als Back­up sichern. Denn Apple setzt anders als Goog­le schon län­ger auf Cal­DAV und Card­DAV (wenn­gleich lei­der nicht mehr für die neue stan­da­lo­ne Erin­ne­run­gen-App ab iOS 13 / macOS Cata­li­na). Hin­weis: Sowohl für Fai­rE­mail als auch für DAVx5 muss man für die iCloud ein anwen­dungs­spe­zi­fi­sches Pass­wort anle­gen.

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