Erklärstück Kritik Lob

Street View: Danke, Google Deutschland!

Zu der aus­ufern­den Street-View-Debat­te muss ich jetzt ein­fach auch noch mei­nen ganz per­sön­li­chen Senf dazu­ge­ben. Und zwar möch­te ich mich ganz aus­drück­lich bei Goog­le Deutsch­land bedan­ken. Dafür, dass sie die Eier hat­ten, Street View in Deutsch­land jetzt end­lich mal auf die Stra­ße zu brin­gen.

Dass Goog­le im Vor­feld nicht alles rich­tig gemacht hat, ist inzwi­schen hin­läng­lich bekannt – im Gegen­satz (lei­der) zur Bedeu­tung der Begrif­fe Pan­ora­ma­frei­heit und Öffent­li­cher Raum. Und man kann sicher treff­lich dar­über strei­ten, ob die Street-View-Kame­ras mit 2,90 Meter viel­leicht ein wenig hoch mon­tiert waren. Oder ob die Frist für den Online-Wider­spruch mit vier Wochen nun lang genug ist oder nicht. Oder ob Street View durch Ver­knüp­fung mit ande­ren (ins­be­son­de­re Geo-)Daten irgend­wann ein­mal wirk­lich unse­re Pri­vat­sphä­re in Gefahr brin­gen könn­te

Eines aber steht fest: Hät­te Goog­le noch län­ger gewar­tet mit sei­ner „über­ra­schen­den“ Ankün­di­gung – wir hät­ten dann hun­dert­pro­zen­tig das glei­che Thea­ter erlebt mit mehr oder weni­ger unsäg­li­chen Aus­sa­gen von meist hoch­gra­dig inkom­pe­ten­ten Poli­ti­kern und Inter­es­sen­ver­tre­tern. Und Leu­ten, die sich vor ihrem Haus und Gar­ten für die Zei­tung oder fürs TV in Groß­auf­nah­me ablich­ten las­sen, um ihre Beden­ken gegen­über Street View kund­zu­tun.

Nur eben spä­ter. Ent­spre­chend spä­ter hät­ten wir dann auch Street View bekom­men. Das erst­mal nichts wei­ter ist als ein schö­ner und nütz­li­cher Zusatz­dienst zu Goog­le Maps. Jeder, der Street View schon mal selbst benutzt hat (und das sind ganz offen­sicht­lich immer noch viel zu weni­ge), wird das bestä­ti­gen.

Also noch­mal: Dan­ke, Goog­le Deutsch­land!

P.S: Wer jetzt auf die dump­fe Panik­ma­che rein­fällt und sein Haus bei Goog­le unkennt­lich machen lässt, soll spä­ter bloß nicht rum­jam­mern, dass er nun doch gern „drin“ wäre in Street View. „Unkennt­lich­ma­chun­gen sind end­gül­tig und las­sen sich nicht rück­gän­gig machen.“

Autor

Thomas Cloer ist Corporate Communications Manager in München. Hier schreibt er privat über allerlei, was ihn so interessiert.

8 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Hulk sagt:

    Na klar, wer ein­mal nein sagt. Lee­re Dro­hung. Bzw. Lee­res Ver­spre­chen. Men­schen zie­hen ja auch nicht um. Falls Goog­le mal Geld damit ver­die­nen will, wer­den die sich kei­ne Adres­se ent­ge­hen las­sen. Häu­ser­fron­ten sind das eine, der Blick über hohe Gar­ten­zäu­ne und in Hoch­pa­ter­re­fens­ter das ande­re. Hät­te man gewusst, wann die Autos wo rum­fah­ren, hät­te man zumin­dest die Fens­ter schlie­ßen kön­nen.

  2. teezeh sagt:

    In Hoch­par­terre­fens­ter kann man auch aus jedem Klein­bus rein­schau­en. Oder vom Fahr­rad aus. Wes­we­gen es da meist Gar­di­nen oder Jalou­si­en gibt. Nicht so in Hol­land. Da las­sen sich die Leu­te über­all gern in die Fens­ter schau­en. Ande­re Län­der, ande­re Sit­ten.

    1. Hulk sagt:

      Klar. Nur dass der Blick aus dem Klein­bus nicht im Inter­net ver­öf­fent­licht wird und ein Vor­bei­fah­ren­der mein Fens­ter in der Regel man­gels Inter­es­se nicht foto­gra­fiert. Falls sich da mal einer hin­stell­te und rein­gaff­te, bekä­me er eins auf die Müt­ze. Und was die Hol­län­der mit ihren Fens­tern machen, geht mir sonst­wo vor­bei.

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