Erklärstück Lob Unterwegs

Livescribe nimmt den dritten Anlauf

Seit Jah­ren ver­sucht Live­scri­be, sei­nen groß­ar­ti­gen Smart­pens zum rich­tig gro­ßen Durch­bruch zu ver­hel­fen. Bis­lang fris­ten die medi­en­bruch­auf­lö­sen­den Gerä­te aller­dings nur ein Nischen­da­sein. Der neue Live­scri­be 3 Smart­pen soll und könn­te das ändern.

War­um? Live­scri­be ver­ab­schie­det sich end­gül­tig davon, eine Platt­form zu schaf­fen. Statt­des­sen wird der Smart­pen nun zum Beglei­ter für Platt­for­men, die Leu­te eh schon mit sich her­um­tra­gen – zum Start ist das iOS. Die „Intel­li­genz“ wan­dert aus dem Stift in die neue App Live­scri­be+, die vie­le schlaue Fea­tures von iOS 7 nutzt, statt zu ver­su­chen, das Rad neu zu erfin­den.

Livescribe 3 Smartpen
Foto: Live­scri­be


Der Live­scri­be 3 ist zwar immer noch ziem­lich dick, sieht aber jetzt deut­lich edler aus als die diver­sen Vor­gän­ger­mo­del­le. Eigent­lich ein biss­chen wie ein Water­man-Füll­hal­ter, obwohl beim Design irgend­wel­che Fir­men gehol­fen haben, die ansons­ten wohl auch für Lamy arbei­ten. Neu­mo­disch fällt eigent­lich nur die klei­ne LED im obe­ren Ende des Clips auf, die je nach Funk­ti­on blau, grün oder rot leuch­tet.

Der neue Smart­pen ent­hält übri­gens weder Mikro­fon noch Laut­spre­cher, son­dern nutzt zum Auf­neh­men von Sprach­no­ti­zen die im iPad oder iPho­ne. Es gibt auch kein Dis­play mehr im Stift, die Ein­stel­lun­gen und sons­ti­ge Infor­ma­tio­nen kann man über Live­scri­be+ (eine Ver­si­on für Andro­id soll übri­gens in abseh­ba­rer Zeit fol­gen) abfra­gen. Mit der kapa­zi­ta­ti­ven Gum­mi­spit­ze am obe­ren Stif­ten­de kann man auf dem Tablet schrei­ben; dar­un­ter ver­ber­gen sich der Micro-USB-Anschluss und ein Reset-Löch­lein.

Livescribe 3 Smartpen Pro Clip Detail
Foto: Live­scri­be

Mit dem iPad oder iPho­ne ver­bin­det sich der Live­scri­be 3 als Smart-Blue­tooth-Gerät über Blue­tooth 4.0. Smart Blue­tooth braucht kaum Strom; laut Live­scri­be schafft der neue Smart­pen bis zu 14 Stun­den Schreib­ar­beit bei bestehen­der Ver­bin­dung (da ist der Akku vom Tablet oder Smart­pho­ne vor­her leer). Der Pen spei­chert bis zu 20.000 Sei­ten Noti­zen. Das funk­tio­niert auch ohne Blue­tooth-Ver­bin­dung; beim nächs­ten Pai­ring wird auto­ma­tisch mit Live­scri­be+ syn­chro­ni­siert.

Was man schreibt oder zeich­net, erscheint bereits nach weni­ge Sekun­den in der Feed-Ansicht von Live­scri­be+. Die App teilt die Noti­zen dabei in Schnip­sel auf. Jeder ein­zel­ne davon lässt sich mit einem Fing­erwisch in Text umwan­deln. Der lässt sich ver­wen­den, um dar­aus Erin­ne­run­gen, Kon­tak­te, Kalen­der­ein­trä­ge oder Noti­zen zu machen. URLs, E-Mail-Adres­sen oder Orts­an­ga­ben erkennt Live­scri­be+ bezie­hungs­wei­se das iOS auto­ma­tisch und kann sie an Safa­ri, Mail und Kar­ten wei­ter­rei­chen.

Livescribe+ Texterkennung Screenshot
Screen­shot: Live­scri­be

Die neue Live­scri­be-App nutzt für die Hand­schrift­er­ken­nung Tech­nik von Visi­on Objec­ts, die über her­kömm­li­che OCR deut­lich hin­aus­geht. Sie macht damit bereits die hand­schrift­li­chen Noti­zen im Voll­text durch­such­bar.

Meh­re­re Schnip­sel kann Live­scri­be+ übri­gens zu einem ver­bin­den, das umge­kehr­te Tren­nen ist zumin­dest in der ers­ten Ver­si­on aber noch nicht mög­lich. Außer­dem kann man exter­ne Bil­der und Tex­te an die Smart­pen-Noti­zen anhän­gen. Eine oder meh­re­re Seite(n) aus dem Notiz­buch kann man (auch mit ein­ge­bet­te­tem Audio als „Pen­cast“) als PDF tei­len oder an Apps wei­ter­ge­ben, die mit die­sem For­mat umge­hen kön­nen.

Die Digi­ta­li­sie­rung der Hand­schrift erle­digt auch der Live­scri­be 3 letzt­lich mit der guten alten Schwe­den­tech­nik von Ano­to. Das heißt um das spe­zi­el­le Pünkt­chen­pa­pier kommt man auch wei­ter­hin nicht her­um, sprich man muss also auch künf­tig die Live­scri­be-Ver­bauchs­ma­te­ria­li­en kau­fen, will man das Papier nicht selbst aus­dru­cken. Das Papier in den Notiz­bü­chern für den Live­scri­be 3 hat übri­gens weni­ger „Funk­tio­nen“ als das frü­he­rer Smart­pens, da die­se für den neu­en Stift ja in die App ver­la­gert wur­den.

Livescribe 3 Notizbuch
Foto: Live­scri­be

Die Nor­mal­aus­füh­rung des Live­scri­be 3 kos­tet 150 Euro und wird mit 50-sei­ti­gem Star­ter-Note­book und Lade­ka­bel gelie­fert. Für 50 Euro mehr gibt es exklu­siv bei Apple das „Pro“-Paket mit etwas dunk­le­rer Ver­chro­mung des Stifts, 100-sei­ti­gem Note­book im Leder­ein­band, einer Ersatz­mi­ne und einem Jahr Ever­no­te Pre­mi­um. Live­scri­be+ steht ab sofort im iTu­nes Store zum Her­un­ter­la­den bereit, die Smart­pens sind ab 5. Novem­ber im bei Apple, Ama​zon​.de und Gra­vis erhält­lich. Ach ja: Die bis­he­ri­gen Smart­pens Live­scri­be Echo (USB) und Sky Wifi (Draht­los-Sync mit Ever­no­te) blei­ben vor­erst wei­ter im Pro­gramm.

Ich konn­te den Live­scri­be 3 in der ver­gan­ge­nen Woche bereits kurz in Augen­schein und in die Hand neh­men und zusam­men mit einer Vor­ab­ver­si­on der App kurz aus­pro­bie­ren. Und was ich gese­hen habe, hat mich sehr über­zeugt. Ob der neue Smart­pen nun end­lich ein rich­ti­ger Erfolg wird, wird nicht zuletzt vom Ver­trieb von Stift und Zube­hör abhän­gen – der war aus mei­ner Sicht in der Ver­gan­gen­heit die zen­tra­le Schwach­stel­le. Ich war­te jeden­falls gespannt auf ein Test­ge­rät und drü­cke die Dau­men.

Autor

Thomas Cloer ist Corporate Communications Manager in München. Hier schreibt er privat über allerlei, was ihn so interessiert.

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