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Kleiner Rant zum Thema Qualitätsmanagement

Micro­soft-Deutsch­land­chef Ralph Haup­ter hat heu­te in Ber­lin zu Win­dows Pho­ne gesagt:

Bei den Apps haben wir immense Fort­schrit­te gemacht”, so Haup­ter wei­ter. „Wir bie­ten das der­zeit bes­te Qua­li­täts­ma­nage­ment für Apps auf dem Markt. Fast alle Top-Apps sind heu­te für Win­dows Pho­ne ver­füg­bar, die in vie­len Fäl­len durch das Metro-Design noch coo­ler und bes­ser wer­den.” Dar­un­ter befin­den sich auch zahl­rei­che renom­mier­te deut­sche Unter­neh­men und Anbie­ter wie Ravens­bur­ger, Finan­ci­al Times Deutsch­land, n-tv, SPORT1, die Sport­schau, TV-Spiel­film oder der WDR.

Sor­ry, lie­ber Herr Haup­ter – aber da muss ich ganz ent­schie­den wider­spre­chen. Die 30.000 oder so Apps im Win­dows Pho­ne Mar­ket­place sind über­wie­gend Schrott (war bei Andro­id am Anfang übri­gens auch so). Mein Ein­druck ist, dass Micro­soft der­zeit alles in sei­nen App Store lässt, was nicht gleich abstürzt. Das bes­te Qua­li­täts­ma­nage­ment für Apps auf dem Markt? Ich bin ganz sicher, dass das von Apple bes­ser und rigi­der ist; Micro­soft dürf­te etwa auf einem Niveau mit Goog­le lie­gen.

Ver­steht mich nicht falsch: Wenn ich Micro­soft wäre, wür­de ich das natür­lich genau­so machen. Weil: Nur die Mas­se macht’s. Die Medi­en ver­glei­chen eh nur die abso­lu­te Zahl der Apps in den Stores der ver­schie­de­nen Anbie­ter; die Qua­li­tät spielt dabei kei­ne oder bes­ten­falls eine unter­ge­ord­ne­te Rol­le. Micro­soft hat im Moment ein­fach das Hen­ne-Ei-Pro­blem. Zu weni­ge Win­dows Pho­nes im Markt, das ist für Ent­wick­ler weder inter­es­sant noch attrak­tiv.

Der nor­ma­le Smart­pho­ne-Nut­zer braucht ja eh weder 30.000 Apps noch Hun­dert­tau­sen­de. Son­dern inten­siv viel­leicht zehn bis zwan­zig (schät­ze ich mal per­sön­lich). Win­dows Pho­ne feh­len jeden­falls eini­ge. Face­book gibt es, genau­so schlecht wie auf den ande­ren Platt­for­men auch. Fours­qua­re ist durch­aus ansehn­lich. Der offi­zi­el­le Twit­ter-Cli­ent ist eher ein Trau­er­spiel, Alter­na­ti­ven gibt es zu weni­ge. Natür­lich kann man seit Man­go auch direkt aus dem Sys­tem twit­tern, aber das geht nur mit einem Account. Und viel­leicht mag auch nicht jeder alles über Win­dows Live lei­ten…

Was ich defi­ni­tiv ver­mis­se sind: Eine coo­le Foto-App mit Com­mu­ni­ty vom Schla­ge Insta­gram, ein guter Feed­re­ader mit idea­ler­wei­se Goog­le-Reader-Sync (auch wenn Goog­le den gera­de ziem­lich demon­tiert hat), ein rich­tig schö­ner Wiki­pe­dia-Cli­ent, Drop­box, Citrix, AR-Soft­ware wie Layar oder Wikitu­de, Insta­pa­per, Goog­le+, Goog­le Earth, die Luft­han­sa…

Ich per­sön­lich war­te ja auf den Tag, an dem mal ein rich­tig coo­les Start-up wie zum Bei­spiel Any​.do mit einer App zuerst für Win­dows Pho­ne her­aus­kommt (auf ein blau­es Lumia 800 war­te ich auch, aber da kann ich ver­mut­lich lan­ge war­ten, wenn ich so was schrei­be). Das wäre defi­ni­tiv so eine Art Rit­ter­schlag. Ich bin wei­ter gespannt und las­se mich über­ra­schen.

Autor

Thomas Cloer ist Corporate Communications Manager in München. Hier schreibt er privat über allerlei, was ihn so interessiert.

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