Kritik Persönlich

.WWF: Hehre Schnapsidee von WWF und JvM

Alexandra Cover

Die­sen Blog­ein­trag kann man nicht aus­dru­cken. Er wur­de näm­lich absicht­lich in der Sei­ten­be­schrei­bungs­spra­che WWFJVML ver­fasst. Das ist ein neu­er Stan­dard, den der World Wild­life Fund (WWF) und die Wer­be­agen­tur Jung von Matt ent­wi­ckelt haben, damit nicht mehr so vie­le Blät­ter unnö­tig bedruckt wer­den und des­we­gen eben­so unnö­tig zu vie­le von unse­ren Freun­den, den Bäu­men, ster­ben müs­sen. Das ist eine groß­ar­ti­ge Idee!

Nein, das ist kei­ne groß­ar­ti­ge Idee. Das ist eine heh­re Schnaps­idee. Um nicht zu sagen eine bescheu­er­te Idee. Genau­so wie die­se hier – und die habe ich mir nicht aus­ge­dacht, son­dern in Form einer Ein­la­dung zur einer Pres­se­kon­fe­renz am kom­men­den Diens­tag in Ham­burg in mei­ner Inbox vor­ge­fun­den:

Lie­be Jour­na­lis­ten, Redak­ti­ons­teams und Kol­le­gen,

unter dem Mot­to „SAVE AS WWFSAVETREE“ haben der WWF Deutsch­land und die Wer­be­agen­tur Jung von Matt gemein­sam das welt­weit ers­te grü­ne Datei­for­mat ent­wi­ckelt – das .WWF – ein .PDF, das sich nicht mehr dru­cken lässt.

Lie­be JvM-Wer­be­fuz­zis, lie­be WWF-Umwelt­be­weg­te, das ist wirk­lich das Dümms­te, was ich seit lan­gem gele­sen habe. Glaubt Ihr wirk­lich, die Welt hat auf noch ein Datei­for­mat gewar­tet? Noch dazu ein Gän­gel­for­mat, das dem Emp­fän­ger vor­schreibt, was er zu tun oder zu las­sen hat? Nein, sage ich Euch. Mit Ado­be Acro­bat und auch mit alter­na­ti­ven, teils sogar frei ver­füg­ba­ren Open-Source-Pro­gram­men kann man längst fest­le­gen, dass ein PDF nicht gedruckt wer­den soll.

Es ist ja außer­dem nicht so, dass wir alle Papier bedru­cken, weil uns das so mäch­tig viel Spaß macht. Das tun wir vor allem des­we­gen, weil man län­ge­re Tex­te ein­fach nicht am Bild­schirm rezi­pie­ren kann. Dar­an wird sich auf abseh­ba­re Zeit auch nichts ändern.

Ihr habt natür­lich trotz­dem Recht damit, dass zu viel gedruckt wird. Aber um dar­an etwas zu ändern, müsst Ihr das Pro­blem bewusst machen. Doch Bewusst­sein ändert man nicht mit Datei­for­ma­ten.

Ich hät­te ein paar Vor­schlä­ge, die sich erheb­lich ein­fa­cher rea­li­sie­ren las­sen:

  • Blät­ter, die man auf der einen Sei­te bedruckt hat und nicht mehr benö­tigt, auch noch auf der ande­ren Sei­te bedru­cken
  • Wo mög­lich, weni­ger zen­tra­le Dru­cker auf­stel­len, zu denen die Leu­te ein paar Meter und idea­ler­wei­se auch noch Trep­pen lau­fen müs­sen
  • Moder­ne Trei­ber und Dru­cker­ver­wal­tungs-Soft­ware ein­set­zen, die jeden Druck­job einer Kos­ten­stel­le zuwei­sen
  • Die Druck­vor­schau von Brow­sern und ande­ren Pro­gram­men nut­zen, um über­flüs­si­ge, zum Bei­spiel größ­ten­teils lee­re (oder nur mit sinn­frei­en Boi­ler­pla­tes gefüll­te) Sei­ten zu erken­nen und die­se nicht mit­zu­dru­cken
  • Bei Doku­men­ten mit hin­rei­chend gro­ßer Schrift zwei Sei­ten ver­klei­nert auf ein Blatt aus­ge­ben
  • Farb­druck grund­sätz­lich sper­ren und nur in Son­der­fäl­len für Leu­te geneh­mi­gen, die das wirk­lich brau­chen (die meis­ten Busi­ness­kas­per-Foli­en­satz­ent­wür­fe sind auch in Grau­stu­fen leser­lich)
  • Kol­le­gen, die gera­de wie­der 500-sei­ti­ge Stu­di­en aus dem Dru­cker las­sen, fra­gen, ob sie das wirk­lich alles lesen wol­len
  • Und so wei­ter und so fort…

Wei­te­re krea­ti­ve und sinn­vol­le Ide­en sind in den Kom­men­ta­ren all­zeit herz­lich will­kom­men.

Und wir schrei­ben jetzt alle schnell noch tau­send Mal: Erst den­ken, dann dru­cken!

P.S.: Und wenn wir schon beim The­ma Dru­cken und Unsinn sind – unsin­nig sind auch E-Mail-Abbin­der wie die­ser hier:

War­um? Weil sie immer ganz unten in der Mail ste­hen, wo man sie erst dann liest, wenn man sie aus­ge­druckt hat. Wenn über­haupt.

P.P.S.: Und nach­dem ich eben das ers­te WWF gesich­tet habe – natür­lich kann man das aus­dru­cken. Und zwar ganz ein­fach mit Ghost­View.

Autor

Thomas Cloer ist Corporate Communications Manager in München. Hier schreibt er privat über allerlei, was ihn so interessiert.

10 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Hi,

    viel­leicht soll­te die Datei­endung bes­ser .wtf lau­ten. :)

    Komisch fin­de ich den E-Mail-Abbin­der. Der ist inhalt­lich unnö­tig und – wenn man schon Haar auf den Zäh­nen hat – sorgt der für unnö­ti­gen CO2-Aus­stoß, weil unnö­ti­gen Kilo­bytes durch Netz getrie­ben wer­den.

  2. Melli sagt:

    Hal­lo TC, fin­de dei­nen Kom­men­tar auf die­se WWF-Ein­la­dung super! Und bin auf einem ganz wir­ren Weg zu ihr gelangt…über mei­ne Goog­le Alerts mit Stich­wort JVM. Wo man dann lan­det…

    LG von Mel­li 1999–2002

  3. Achim724 sagt:

    …weil man län­ge­re Tex­te ein­fach nicht am Bild­schirm ein­fach nicht rezi­pie­ren kann“?! Echt?!

    Da mag’s durch­aus noch etli­che (zumeist auch älte­re) Män­ner und natür­lich auch Frau­en geben, die das Hap­ti­sche von Buch­rü­cken oder Papier­ge­ra­schel nicht mis­sen möch­ten, aber gegen­über den Mög­lich­kei­ten, die ein rech­ner­ge­stütz­tes „Rezi­pie­ren von Tex­ten“ so bie­tet (bis hin­ab zum Font-Ver­grö­ßern, so dass es sogar vom Sofa aus mög­lich), ist auch die Spe­zi­es der Aus­dru­cker frü­her oder spä­ter wohl zum Zurück­blei­ben, wenn nicht gar Aus­ster­ben ver­ur­teilt,

    meint
    Achim

  4. talinee sagt:

    Und jetzt erklär das gan­ze doch mal bit­te im Büro mei­ner Eltern, in dem man noch nicht mal von Acro­bat gehört hat oder wüss­te, wie man nutz­lo­se Sei­ten aus dem Brow­ser nicht mit­druckt. Dann instal­li­er ich denen auch kei­nen neu­en Dru­cker­trei­ber.

  5. Mike Nolte sagt:

    Die­ses Datei­for­mat ist wikr­lich nutz­los.

    Screen­shots kön­nen immer aus­ge­druckt wer­den.

    Es wird kei­ne Metho­de genannt, wie Linux-Benut­zer WWF nut­zen kön­nen.

    Ich prak­ti­zie­re schon seit 20 Jah­ren „paper­less office“ und dru­cke nur die Sei­ten, die ich – bei­spiels­wei­se auf­grund gesetz­li­cher Pflich­ten – unver­meid­bar dru­cken muss. WWF habe ich dafür noch nie gebraucht und wür­de WWF auch in Zukunft nie­mals nut­zen, weil es kei­ner­lei Vor­tei­le gegen­über ande­ren Datei­for­ma­ten hat, dafür aber neue Zukunfts­un­si­cher­hei­ten, Inkom­pa­ti­bi­li­tä­ten und Zwän­ge ein­führt.

    Ich bin ent­setzt, dass das WWF die­sen Unfug mit­macht und wer­de jedem, der ver­sucht mir ein sol­ches Doku­ment anzu­dre­hen gewal­tig den Kopf waschen.

    Ich hal­te die­ses Datei­for­mat für dumm, falsch und irre­füh­rend.

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