Android, aber sicher: GrapheneOS

Ich habe die Tage mein Pixel 9 Pro plattgemacht und mit GrapheneOS neu aufgesetzt. GrapheneOS ist ein gehärtetes Android-System auf Basis von AOSP (Android Open Source Project), das bewusst auf Apps und Services von Google verzichtet. Eine logisch isolierte Kompatibilitäts-Schicht für Google Play Services stellt dabei sicher, dass alle gewohnten Apps – insbesondere die von Banken – trotzdem funktionieren. Dabei laufen die Play Services ohne besondere Rechte in einer sogenannten Sandbox.

Vor der Installation hatte ich zunächst wichtige Daten lokal auf dem Pixel gesichert und dann auf meinen Rechner verschoben, um sie anschließend wiederherstellen zu können. Als da wären meine Signal-Chats, die Datenbank für 2FAS Auth sowie die Voreinstellungen für FairEmail und aCalendar+. Die Fotos vom Telefon hatte ich schon mit der App von ente in die Cloud gesichert. Ältere Smartphone-Bilder bei Google Fotos habe ich außerdem mit Google Takeout heruntergeladen und ebenfalls zu ente hochgeladen.

Die Installation von GrapheneOS läuft für normale Benutzerinnen und Benutzer über einen komfortablen Web-Installer. Man startet das Pixel in den Fastboot-Modus. Danach entsperrt man den Bootloader (wodurch alle Daten auf dem Telefon gelöscht werden), lädt das neueste GrapheneOS-Image herunter und flasht dieses aufs Smartphone. Abschließend wird der Bootloader wieder gesperrt.

Bei mir blieb der Web-Installer leider beim Kopieren der Image-Datei(en) auf das Telefon hängen. Ich vermute, dass das mit einer unvollständigen Treiberunterstützung für fastbootd im Arm-Windows auf meinem Surface Pro, 11th Edition zusammenhängt. Ich konnte die Installation aber ohne Probleme auf einem anderen Rechner (meinem Arbeits-Latitude mit Windows 10) zu Ende bringen. Insgesamt hat das Umflashen keine halbe Stunde gedauert.

Nach dem Reboot (erst kommt ein kryptischer Warnhinweis, dann das Google- und dann das GOS-Logo) begrüßt einen GrapheneOS mit einigen wenigen graustufigen App-Icons auf einem pechschwarzen Startbildschirm. Zum Lieferumfang gehören ein spartanischer App Store, eine Kamera-App, ein Datei-Manager, eine Foto-Galerie, eine Kontaktverwaltung, ein einfacher PDF-Viewer, ein Rechner, eine App für SMS/MMS , ein Caller, eine Uhr und last, but not least der Browser Vanadium. Bei Letzterem handelt es sich um eine speziell gehärtete Ausführung von Chromium. Aus dem App Store kann man die oben erwähnten sandboxed Play Services und damit auch den Play Store von Google herunterladen. Ich habe außerdem, wie auch zuvor schon, den alternativen und auf FOSS spezialisierten App Store F-Droid installiert*.

Grundsätzlich unterstützt GrapheneOS mehrere Benutzer. Wer möchte, kann die sandboxed Play Services nur innerhalb eines eigens dafür gedachten Benutzers installieren und diesen nur bei Bedarf aktivieren. Ich brauche das nicht und verwende nur den Hauptnutzer „Eigentümer“ inklusive Play-Services-Sandkasten.

Google hat ohne Frage einen ganzen Haufen schöne Apps und Dienste, an die man sich sehr schnell gewöhnen kann. Die sind mit GrapheneOS natürlich auf einen Schlag weg (genauso wie die meisten Pixel-Extras). Ich werde versuchen, möglichst ohne auszukommen.

Aktuell bin ich zum Beispiel auf der Suche nach einem guten Ersatz für die Google-Tastatur („Gboard“) und probiere dazu FUTO Keyboard und Heliboard aus. Anstelle von Google Maps habe ich OsmAnd~ von F-Droid geladen (kann dasselbe wie OsmAnd+ im Play Store, kostet aber nix). Ob ich mich damit auf die Dauer anfreunden kann, weiß ich noch nicht. Allein schon das Laden der ersten Karte dauert eine gefühlte kleine Ewigkeit*.

Die GrapheneOS-Kamera-App ist mir momentan doch ein wenig zu spartanisch, weswegen ich mir zunächst die Pixel Kamera aus dem Play Store heruntergeladen habe. Bei Smartphone-Fotos sind einfach 80 Prozent oder mehr Software. Vielleicht gelange ich ja aber auch zu Einsicht, dass mir die Funktionen der GOS-Kamera eigentlich reichen.

Ein echtes Caveat für Umsteiger ist die Tatsache, dass das kontaktlose Bezahlen mit Google Wallet unter GrapheneOS nicht funktioniert. Das liegt aber nicht etwa an fehlender Unterstützung für NFC, sondern an irgendwelchen Mechanismen, die Google da eingezogen hat und die man nicht einfach umgehen kann. Tangiert mich persönlich jetzt eher weniger, da ich eh lieber mit der Karte (oder meinem Ring) kontaktlos bezahle.

Außerdem unterstützt die SMS/MMS-App von GrapheneOS kein RCS. Was spätestens mit Apples Sinneswandel mit iOS 18 und der jüngsten Ankündigung der GSMA bezüglich durchgängiger Verschlüsselung aus meiner Sicht ein ziemliches Manko ist. Hier muss ich mich noch schlau machen, ob ich Google Messages irgendwie halbwegs datenschutzfreundlich einsetzen kann. Vielleicht entschließen sich aber auch die GrapheneOS-Macher, RCS zu unterstützen (bzw. Google passt die SMS-App im AOSP entsprechend an).

Ansonsten habe ich noch keine App gefunden, die unter Stock Android funktioniert hat und mit GrapheneOS nicht mehr**. Was mir persönlich jetzt fehlt, ist eher ein bisschen Eye Candy. Wie zum Beispiel die Möglichkeit, das Aussehen der Uhr auf dem Sperrbildschirm anzupassen. Aber was ist das schon im Vergleich zu der Gewissheit, dass Google jetzt praktisch keine Daten mehr von meinem Smartphone bekommt.

*Update vom 02.04.2025: F-Droid ist für mich nach der Lektüre dieses Beitrags gestorben. Was Karten angeht, habe ich mir mittlerweile die schlanke PWA Google Maps Go und für Navigation mit Echtzeitdaten (kann die PWA nicht) HERE We Go installiert. Und OsmAnd+ gekauft – allerdings eher, um das Open-Streetmap-Ökosystem zu fördern.

**Hier muss ich mich mittlerweile korrigieren: Dott (Mikromobilität) verweigert die Registrierung meiner Mobilnummer. Andere E-Scooter-Apps wie Bolt, Lime und Voi machen hingegen keine Zicken.